Soziale Demokratie heute

Blog von Thomas Reis

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Das Problem der Arbeitslosigkeit Teil XXX (Vorrang für elementare Bedürfnisse zu Gunsten aller Menschen)

Geschrieben von Thomas Reis - 30/10/2011

In Teil XXIX habe ich das Spannungsverhältnis der in Teil XXIII genannten Punkte 1, 6 und 8 der Merkmale eines sozial gerechten, am Gemeinwohl orientierten Wirtschafts- und Sozialsystems beschrieben. Um meinen Ansatz unter dem Aspekt unserer künftigen Lebensbedingungen, über den ich in Teil XXVIII spekuliert habe, nicht an inneren Widersprüchen scheitern zu lassen, habe ich vorgeschlagen, nach Wegen zu suchen, die vorhandenen Ressourcen effizienter und weniger umweltbelastend einzusetzen, neue Ressourcen zu erschließen sowie unsere Bedürfnisse zu überdenken, für deren Befriedigung Ressourcen verbraucht werden.

Vorrangig sollten wir unsere Bedürfnisse überdenken

Da die beiden erstgenannten Ansätze künftige Entwicklungen in Wissenschaft und Technik voraussetzen, deren Reichweite heute noch nicht genau abgeschätzt werden können, sollten die Überlegungen sinnvoller Weise mit der Bedürfniskritik beginnen. Wenn unterstellt werden muss, dass die Befriedigung einiger Bedürfnisse, die uns in den industrialisierten Regionen der Erde ganz selbstverständlich erscheint, unter der Bedingung vergleichbarer Lebensbedingungen überall auf der Welt nicht mehr möglich ist, muss man Prioritäten setzen und Bedürfnisse benennen, deren Befriedigung auf alle Fälle unabdingbar ist. Als derart elementare Bedürfnisse möchte ich benennen:

  • ausreichend Nahrung in guter Qualität zur Verfügung zu haben,
  • vor schädlichen Natureinflüssen geschützt zu sein,
  • Zugang zu einer grundlegenden Gesundheitsfürsorge zu besitzen und
  • in einem friedlichen Umfeld zu leben, das es ermöglicht
  • soziale Kontakte zu pflegen und als Person von anderen anerkannt zu sein.

Es dürfte bereits eine enorme Herausforderung für jedes Wirtschafts- und Sozialsystem darstellen, diese Bedürfnisse für alle Menschen auf der Welt zuverlässig befriedigen zu können.

Was bedeutet der Vorrang für die elementaren Bedürfnisse?

Um Missverständnissen vorzubeugen sei eines klargestellt. Ich meine keineswegs, das Wirtschafts- und Sozialsystem einer Erdenregion, sagen wir Europa, sei verpflichtet und müsse in der Lage sein, die Bedürfnisse weltweit zu befriedigen. Ich bin aber davon überzeugt, dass es dann, wenn die von mir prognostizierte Entwicklung tatsächlich stattfindet, allgemein akzeptiert werden muss, Wirtschaft als die globale Aufgabe zu begreifen, die Bedürfnisse der Menschen überall auf der Welt zu befriedigen. Der Vorrang für die elementaren Bedürfnisse bedeutet dann für alle Menschen überall auf der Welt, dass Energie, Rohstoffe und natürliche Ressourcen sowie die Belastung unserer Umwelt zu allererst dazu zu dienen hat, Waren und Dienstleistungen zu erzeugen, die notwendig sind um die elementaren Bedürfnisse aller Menschen weltweit zu befriedigen und allgemein verfügbar zu machen. Bedürfnisse, die über die elementaren hinausgehen, können hingegen nur dann befriedigt werden, wenn die elementaren bereits zuverlässig befriedigt werden.  Das bedeutet vor allem für die Menschen in den heutigen Industriestaaten deutlich spürbare Veränderungen in den Lebensgewohnheiten, deren bloße Vorstellung von ganz vielen bereits als Verlust empfunden wird.

Ein Verlust?

Diesen Verlust wird man allerdings nicht im strengen Sinne so bezeichnen können, da unter den heutigen Bedingungen unser Reichtum vielfach dadurch entsteht, dass aus den wirtschaftlich schwachen Gebieten Rohstoffe billig in die wirtschaftlich starken Gebiete verkauft und dort zu wertvollen Produkten veredelt werden (siehe dazu bereits Teil XXI). Wenn wir in den wirtschaftlich starken Gebieten für die inführung dieser Rohstoffe einen höheren Preis werden zahlen müssen, der es den Menschen in den Herkunftsländern erlaubt, ihre elementaren Bedürfnisse befriedigen zu können und wenn wir es akzeptieren müssen, dass die Menschen in den Ländern, in denen die Rohstoffe lagern, diese stärker auch selbst nutzen, macht sich das zwar bemerkbar, als ob die Menschen hier etwas abgeben müssten. In Wirklichkeit profitieren aber lediglich die Menschen in den wirtschaftlich starken Regionen der Erde weniger auf Kosten der Menschen in den ärmeren Regionen der Erde. Einem solchen „Verlust“ werden sich die Menschen in den Industrieregionen der Erde schon allein aus Gründen der Vernunft (näheres dazu in Teil XXIX) wohl kaum verschließen können. Wie groß der „Verlust“ sein wird, hängt im übrigen davon ab, wie weit die wissenschaftlichen Erkenntnisse und technologischen Weiterentwicklungen reichen werden, die es ermöglichen,  in Zukunft die zur Verfügung stehenden Ressourcen effizienter zu nutzen.

Neue Lebensbedingungen führen wahrscheinlich von sich aus zu veränderten Bedürfnissen

Ich meine aber, es ist auch gar nicht abwegig anzunehmen, dass sich die Bedürfnisse der Menschen von sich aus verändern werden, da eben die veränderten Prioritäten bei der Nutzung von Rohstoffen, Energie und natürlichen Ressourcen auf einer veränderten Wahrnehmung basieren, wie weit ein Wirtschafts- und Sozialsystem in Zukunft reichen soll. In dem Maß, in dem sich für die künftigen Menschen der Kreis derer räumlich wie zahlenmäßig erweitert, mit denen sie sich emotional verbunden fühlen, werden auch die Bedürfnisse der Menschen nach Kommunikation und sinnstiftender Gemeinschaft stärker ausgeprägt sein, während intensiver Konsum zur Befriedigung nicht elementarer Bedürfnisse, der mit einem hohen Ressourcenverbrauch einhergeht, dort, wo er lediglich um seiner selbst Willen stattfindet, an Bedeutung verlieren wird. Dies ist auch deswegen wahrscheinlich, weil es nach meiner Spekulation der Stärkung des Handelns als einer Form menschlicher Tätigkeit entspricht, die infolge der schwindenden Bedeutung des Bereichs der Arbeit im Vergleich zum heutigen System der Erwerbsarbeit eintreten wird (ausführlicher dazu Teil XXVII). Auf diese Weise wird eine zukünftige Gesellschaft von sich aus eine Tendenz aufweisen, gemeinschaftsorientiert zu sein und so in besonderem Maße eine wichtige Anforderung an ein sozial gerechtes, am Gemeinwohl orientiertes Wirtschafts- und Sozialsystem (Punkt 5 der in Teil XXIII genannten Merkmale) erfüllen.

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Das Problem der Arbeitslosigkeit Teil XXIX (Erweiterung des Blickwinkels)

Geschrieben von Thomas Reis - 16/10/2011

Nachdem ich in einigen aus meiner Sicht grundlegenden Punkten meine Spekulation darüber dargelegt habe, wie sich die äußeren Bedingungen für unser Wirtschafts- und Sozialsystem in der Zukunft weiter entwickeln werden, soll es nun darauf ankommen herauszufinden, wie ein künftiges Wirtschafts- und Sozialsystem aussehen muss, soll es unter diesen Bedingungen sozial gerecht und dem Allgemeinwohl verpflichtet genannt werden können. Dazu werde ich auf die Merkmale zurückgreifen, die ich in Teil XXIII zusammengefasst habe.

Anwendung der Merkmale eines sozial gerechten, dem Gemeinwohl verpflichteten Wirtschafts- und Sozialsystems

Als erstes muss das Wirtschfts- und Sozialsystem in der Lage sein, die grundlegenden Bedürfnisse aller, die sich ernsthaft daran beteiligen, zu befriedigen. Was sich beschränkt auf unsere Überflussgesellschaft eigentlich wie eine unproblematische Forderung anhört, erhält eine große Brisanz, wenn man den Blickwinkel erweitert.

Konflikt zwischen der Berücksichtigung der Bedürfnisse aller Menschen, der Endlichkeit der Ressourcen und dem Schutz der Umwelt bei globaler Betrachtung

Wie ich gegen Ende von Teil XX bereits kurz angedeutet habe, ist es von vornherein notwendig, den Bedarf nach Energie, Rohstoffen und natürlichen Ressourcen und die Probleme, die aus der Verschmutzung der Luft der Böden und der Gewässer folgen, sehr viel größer einzuschätzen, wenn alle Menschen auf der Erde zu berücksichtigen sind. Denn es wird nicht mehr ausreichen, sich ein Wirtschafts- und Sozialsystem beschränkt auf räumlich und politisch begrenzte Bereiche vorzustellen, die neben anderen Wirtschafts- und Sozialsystemen existieren, ohne dass diese Systeme einander beeinflussen. Alle Menschen auf dieser Erde in die Überlegungen mit einzubeziehen, ist im Gegenteil ein direktes Merkmal eines sozial gerechten, am Gemeinwohl orientierten Wirtschafts- und Sozialsystems. Dieses Merkmal angemessen zu berücksichtigen, wird unausweichlich sein, da nach der von mir prognostizierten Entwicklung die Menschen emotional geprägte Beziehungen zu Menschen überall auf der Welt haben und ein Interesse entwickeln, weltweit vergleichbar gute Lebensbedingungen vorzufinden. Da die unerwünschten Folgen der Produktion von Waren und der Erbringung von Dienstleistungen von vornherein durch Grenzen nicht aufzuhalten sind (Erderwärmung durch den Ausstoß von Klimagasen, Verschmutzung von Meeren, Verwüstung ganzer Regionen durch die Gewinnung von Rohstoffen), ist es auch überhaupt nicht fair, einigen Menschen nur die Nachteile zuzumuten, ihnen die Früchte der wirtschaftlichen Betätigung aber vorzuenthalten. Genau das ist es aber leider, was wir alle in den industrialisierten Regionen der Erde tagtäglich tun.

Nicht nur eine Frage der Menschlichkeit, sondern der Vernunft

Dabei ist unsere Haltung nicht lediglich unfair, sondern auch unvernünftig, da es unserem Interesse als den Menschen in Regionen mit einer leistungsfähigen Wirtschaft entspricht, die Verhältnisse insgesamt weitgehend stabil zu halten. Eine Auswirkung der verbesserten Kommunikationsstrukturen ist ja auch eine wesentlich verbesserte Informationsbasis der Menschen, die in Regionen leben, die von der Industrialisierung nicht profitieren. Diese Menschen werden es auch sehr schnell erkennen, wenn sie durch die globalen Wirtschaftsverhältnisse strukturell benachteiligt sind und werden nicht mehr ohne weiteres damit einverstanden sein. Wollen wir also ein Wirtschaften beibehalten, das uns den Wohlstand gebracht hat, den wir heute genießen können und wollen nicht einen großen Teil der Menschen auf unserem Planeten mit Gewalt unterdrücken, sind wir auf den Konsens auch mit den Menschen angewiesen, die heute immer noch in wirtschaftlich benachteiligten Regionen unserer Erde leben. Dies kann aber letzten Endes nur dann gelingen, wenn nicht nur  hier, sondern überall sonst vergleichbare Bedingungen anzutreffen sind.

Keine Spinnerei, sondern ein Zielkonflikt, der ernst genommen und gelöst werden muss

Ich habe bereits die Vermutung geäußert, dass dies, die heutige Rohstoff- und Energieeffizienz unserer Wirtschaft zugrundegelegt, die verfügbaren Kapazitäten der Rohstoffe, der natürlichen Ressourcen und der erzeugbaren Energie bei weitem übersteigen und unsere Umwelt weit über das noch verträgliche Maß hinaus belasten würde. Da es neben der Fähigkeit, die Bedürfnisse der Menschen zuverlässig befriedigen zu können ebenso ein Merkmal eines sozial gerechten, dem Allgemeinwohl verpflichteten Wirtschafts- und Sozialsystems ist, die Endlichkeit der Ressourcen und die Zerbrechlichkeit unseres Lebensraums, wie die sozialen Auswirkungen unserer Handlungen in einer vernetzten Welt zu berücksichtigen, entsteht bereits aufgrund dieser scheinbar einfachen Forderungen ein ernsthafter Zielkonflikt. Es entbehrt dabei auch nicht einer gewissen Ironie, dass die Sorge um die Lebensbedingungen der Menschen in benachteiligten Regionen der Erde, die von der Mehrheit der Menschen in den industrialisierten Regionen der Erde bis heute als weltfremde Spinnerei abgetan wird, unter den Bedingungen einer dramatisch verbesserten allgemeinen Informations- und Kommunikationsbasis, wie ich sie für die – wohl nicht allzuweit entfernte – Zukunft erwarte, als Problem der Tagespolitik sehr weit in den Vordergrund treten wird. Alle, die heute noch eine breit angelegte, ernsthafte gesellschaftliche Diskussion hierüber abwürgen, indem sie sich über die von ihnen so genannten Gutmenschen lustig machen, die das Problem bereits heute thematisieren, sollten sich schon einmal überlegen, mit welcher Position sie sich daran beteiligen möchten.

Neue Ressourcen erschließen und effizienter einsetzen, Bedürfnisse überdenken

Sollen sich also die von mir vorgeschlagenen acht Merkmale eine sozial gerechten, am Gemeinwohl orientierten Wirtschafts- und Sozialsystem nicht bereits hier als miteinander unvereinbar herausstellen, womit sie dann bereits an ihrer ersten größeren Herausforderung gescheitert wären, ist es notwendig, Wege zu vorzuschlagen, die vorhandenen Ressourcen effizienter und weniger umweltbelastend einzusetzen, neue Ressourcen zu erschließen sowie unsere Bedürfnisse zu überdenken, für deren Befriedigung Ressourcen verbraucht werden. Was das genau bedeutet, möchte ich im nächsten Blogpost untersuchen.

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Das Problem der Arbeitslosigkeit Teil XXVIII (Künftige politische und Ökonomische Entwicklung)

Geschrieben von Thomas Reis - 17/09/2011

Neben der in Teil XXVII beschriebenen Verschiebung der Gewichte im Erscheinungsbild menschlicher Tätigkeit durch den zunehmenden Einsatz von Maschinen in der Produktion von Waren und der Erbringung von Dienstleistungen erwarte ich noch einige andere umwälzende Entwicklungen, die mit der Veränderung unserer Tätigkeitsstruktur einhergehen.

Arbeitsteilung wird als Errungenschaft erhalten bleiben

Ein Merkmal, das unsere heutige Gesellschaft prägt, wird allerdings seinem Wesen nach weiterhin erhalten bleiben. Es ist das Merkmal der Arbeitsteilung, also die kulturelle Errungenschaft, ein großes, die Möglichkeiten eines einzelnen überforderndes Ziel durch den Einsatz vieler zu erreichen, indem jeder einzelne einen bestimmten persönlichen Beitrag erbringt, der zum Teil eines Ganzen wird. Allerdings werden die Ziele, die mit Hilfe der Beiträge vieler erreicht werden sollen, überwiegend nicht mehr die selben sein, wie noch zur Zeit. Das gezielte Zusammenwirken der Menschen wird nicht mehr vorrangig sicherstellen müssen, dass die Waren und einfachen, mechanischen Dienstleistungen, die jeder Mensch benötigt, zuverlässig in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, sondern wird viel stärker darauf gerichtet sein, den Menschen ein gedeihliches Zusammenleben zu ermöglichen, wo ein Zusammenleben gewollt oder benötigt wird, und ansonsten ein friedvolles Nebeneinander sicherzustellen. Ebenso wird viel stärker dem Bedürfnis der Menschen nach kultureller Betätigung Rechnung getragen.

Die Verlagerung des Schwerpunkts der gemeinsam verfolgten Ziele stärkt demokratische Entscheidungsprozesse

Der Schwerpunkt sinnvollen Zusammenwirkens wird sich mit anderen Worten vom materiellen, konsumorientierten Bereich in den sozialen, konstitutiven Bereich verlagern. Es wird sich dadurch eine neue Qualität der demokratischen Strukturen entwickeln. Während nämlich in früheren Zeiten der soziale, konstitutive Bereich von einzelnen Menschen und kleinen, homogenen Gruppen (Monarchen und Adel) wahrgenommen wurde, um den notwendigen Raum für die große Mehrzahl der Menschen zu schaffen, im materiellen, konsumorientierten Bereich tätig zu sein, wird die von mir prognostzierte Entwicklung dazu führen, potentiell alle Menschen in den sozialen und konstitutiven Bereich mit einzubinden. Die dazu nowendige Basis im materiellen, konsumorientierten Bereich wird von Maschinen erarbeitet und sichergestellt werden. Auf diese Weise wird die epochale Entwicklung, Macht immer weniger in die Hände einzelner zu legen und Entscheidungsprozesse immer stärker zu demokratisieren, die bereits seit den Anfängen der Industrialisierung im Gange ist, sehr viel weiter vorankommen.

Sorgenfrei wird unser Leben aber niemals sein

Auch wenn in der Zukunft, die ich mir hier ausmale, ein Großteil der Arbeiten, die wir heute als beschwerlich und unangenehm empfinden, von Menschen nicht mehr verrichtet werden muss, wird es doch niemals ein sorgenfreies Leben geben können. Die Probleme der Zukunft werden zum großen Teil andere sein, als wir sie heute kennen, sie werden aber keineswegs weniger drängend sein. So wird durch den zunehmenden Einsatz von Maschinen der Bedarf nach Energie, Rohstoffen und anderen natürlichen Ressourcen sehr stark zunehmen. Es ist absehbar, dass dieser Bedarf gemessen an den heutigen Maßstäben für die Effizienz der Nutzung von Energie und Rohstoffen sowie der Verschmutzung unserer Umwelt deren bekannte Kapazitäten weit überschreitet. Diese Tendenz wird noch durch eine weitere umwälzende Entwicklung verstärkt werden.

Menschliche Beziehungen werden sich dank social media global entwickeln

Unser Blick wird sich nicht mehr auf die Gebiete unserer Erde beschränken, die bereits heute zur industrialisierten Welt zählen. Die zunehmende Vernetzung unserer Welt durch den Quantensprung in der Kommunikationsstruktur, den wir zur Zeit durch die rasant fortschreitende Entwicklung der social media erleben, wird nämlich nach meiner festen Überzeugung in der Konsequenz dazu führen, dass sehr viel mehr Menschen Beziehungen zu anderen Menschen in allen Teilen der Welt pflegen. Was mit der weltweiten wirtschaftlichen Vernetzung längst selbstverständliche Realität ist, wird sich auch im Bereich menschlichen Beziehungen entwickeln. Diese Beziehungen werden allerdings eine weitaus intensivere Qualität haben, als bloße Geschäftsbeziehungen. Sie werden emotionale Bindungen, wie Freundschaft und Liebe ganz selbstverständlich mit einbeziehen. Menschen werden die Möglichkeit haben, überall auf der Welt andere Menschen kennenzulernen, die ihnen wichtig werden. In der Folge werden die Menschen ein starkes Bedürfnis danach haben, dass die Lebensverhältnisse überall dort, wo Menschen leben, die ihnen wichtig sind, ebenso gut sind, wie ihre eigenen, auch wenn sie selbst dort nicht leben. Da alle Menschen solche emotionalen Beziehungen pflegen können, wird die Zahl aller einzelnen Beziehungen sehr hoch sein und es ist so gut wie sicher, dass überall auf der Welt Menschen leben, die Menschen in ganz anderen Teilen der Welt wichtig sind. Das bedeutet, es wird ein großes politisches Interesse dafür geben, überall auf der Welt annähernd gleiche, gute Lebensbedingungen zu schaffen.

Nationalstaaten verlieren ihre Legitimität

Die weitere fundamental umwälzende Wirkung dieser Entwicklung folgt daraus unmittelbar und betrifft die heute noch so wichtigen nationalstaatlichen Grenzen, die dadurch ihre Bedeutung fast vollständig einbüßen werden, da die Menschen ein Interesse haben, sich jederzeit frei zu den Menschen bewegen zu können, die ihnen wichtig sind. Politische Grenzen werden dadurch zumindest bei der großen Mehrzahl der Menschen keine Akzeptanz mehr finden. Es wird notwendig werden, sich weltweit auf politische Ordnungsstrukturen zu verständigen, die den neuen Bedingungen besser gerecht werden, als es die nationalstaatlichen Strukturen können. Das bedeutet für die Menschheit eine gigantische Chance, birgt aber auch selbst im besten denkbaren Fall zumindest in einer Übergangszeit die Gefahr, dass ein Machtvakuum entsteht, durch das despotische, ausbeuterische und mithin destruktive Kräfte entstehen, die freiheitlichen, gerechten und demokratischen Gesellschaftsstrukturen im Weg stehen.

Nun aber genug der Spekulation…

Von den vielen Möglichkeiten, über weitere künftige Entwicklungen zu spekulieren, möchte ich an dieser Stelle absehen, da ich befürchte, dass die nachfolgenden Überlegungen, was daraus für Wirtschafts- und Sozialsystem folgt, das sich sozial gerecht und dem Gemeinwohl verpflichtet nennen möchte, ansonsten zu unübersichtlich werden. Ich meine auch, mit den hier skizzierten Entwicklungen (Veränderung der Struktur menschlicher Tätigkeit, Globalisierung menschlicher Beziehungen, Fortschritt in der demokratischen Entwicklung, Notwendigkeit handlungsfähiger globaler Ordnungsstrukturen) die wichtigsten für mein Vorhaben angesprochen zu haben. Ich möchte in den folgenden Blogposts versuchen, darauf den nächsten Schritt aufzubauen.

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