Soziale Demokratie heute

Blog von Thomas Reis

Archiv für die Kategorie ‘Gesellschaftsstruktur’

Obama, die Tea-Party und der supreme court – was sollen wir davon halten?

Geschrieben von Thomas Reis - 29/03/2012

In den USA wurde unter der Regierung von Präsident Obama eine allgemeine, verpflichtende Krankenversicherung eingeführt und die Kritiker dieser Maßnahme bemühen nicht etwa wirtschaftstheoretische Argumente (Lohnnebenkosten, etc.), sondern beschwören das Ende ihrer Freiheit herauf – sie wähnen sich in den Fängen der Sklaverei! Die Haltung dieser Gruppe von US-Bürgern, die sich weit überwiegend in der „Tea-Party“-Bewegung versammeln, bezeichnet Mathias Kolb in der Süddeutschen Zeitung als „faszinierend und befremdlich“ – man könnte sie auch mit den Worten grotesk und hysterisch beschreiben. Wir sollten aber zumindest versuchen nachzuvollziehen, auf welcher Grundannahme diese politische Haltung beruht, um sich mit ihr rational auseinandersetzen zu können. Der panischen Angst vor jedem noch so geringen staatlichen Einfluss auf die eigene Person liegt nämlich ein Begriff von Freiheit zugrunde, der auf einem Liberalismus beruht, der gerade von namhaften amerikanischen Autoren sehr fundiert vorgetragen worden ist.

Die theoretischen Grundlagen der “Tea-Party”-Bewegung

Einer dieser Autoren war Robert Nozick, der in seinem Werk „Anarchie, Staat, Utopia“ genau jene Art von Minimalstaat fordert, der den „Tea-Party“-Aktivisten offenbar vorschwebt. In der deutschsprachigen Entsprechung ist dies der sogenannte Nachtwächterstaat, der sich einzig und allein darauf zu beschränken hat, seine Bürger und ihr Eigentum vor Gewaltanwendung oder Verletzung untereinander, wie von außen zu schützen. Als schützenswerte Rechte jedes Einzelnen erkennt Nozick dementsprechend ausschließlich die Unverletzlichkeit des Lebens, der körperlichen Unversehrtheit, des Eigentums sowie die Freiheit der Person an. Aus der Pflicht jedes einzelnen Menschen, die Freiheiten jedes anderen Menschen zu respektieren leitet Nozick ab, der Staat als der Vertreter aller einzelner Menschen, die in seinem Einflussgebiet leben, könne keine weitergehenden Rechte haben und dürfe Menschen folglich zu nichts zwingen, was nicht alle Menschen freiwillig tun würden. Daraus schließt Nozick, dass jegliche Art von Sozialstaat oder fürsorglichen Verbotsvorschriften rundweg abzulehnen ist. Steuern bezeichnet Nozick als eine Form der Zwangsarbeit, die ausschließlich für die von ihm anerkannten unabweisbaren Aufgaben des Staates erhoben werden dürfen.

Was ist das für ein Menschenbild?

Der gedankliche Ansatz von Nozick und anderen Vertretern dieser staatsphilosophischen Grundrichtung, die sich im Kern auf die Lehre John Lockes stützt, ist in sich durchaus schlüssig. Er geht aber von einem Menschenbild aus, das den Begriff des Inividuums so sehr überhöht in den Vordergrund stellt, dass die daraus abgeleiteten Folgerungen nur noch grotesk wirken können. Außerordentlich überzeugend wurde diese Kritik an dem extremen Libertarismus von Charles Taylor vorgetragen: Der Gedanke, dass Menschen ursprünglich Individuen sind, die jeder für sich als Einzelne vollkommen isoliert vor sich hin leben und erst aufgrund rationaler Überlegungen beschließen, sich zu ihrem eigenen Schutz zu Gruppen zusammen zu schließen, wird dem wirklichen Wesen des Menschen nicht gerecht. Das extrem libertäre Verständnis übersieht, dass Menschen von Beginn an darauf angewiesen sind, miteinander in Gemeinschaft zu leben, ja dass ein atomistisches Menschenbild (wie Taylor es bezeichnet), überhaupt kein sinnvolles menschliches Dasein zuließe, weil ein isolierter Mensch noch nicht einmal so etwas wie eine Sprache entwickeln könnte (ausführlich hierzu Charles Taylor in: “Negative Freiheit?”).

Wir benötigen eine allgemein anerkannte Werteordnung

Etwas weniger grundsätzlich müssen sich die Vertreter eines derart extremen Libertarismus fragen lassen, ob eine funktionierende menschliche Gemeinschaft nicht mehr bedeutet, als den Verzicht, sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen oder die Bereitschaft, sich freiwillig an einer arbeitsteiligen Gesellschaft zu beteiligen. Was alle Menschen übersehen, die sich darauf beschränken wollen, bestehende Eigentumsrechte vor Eingriffen anderer zu schützen, ist die Erkenntnis, dass dieses Eigentum vielfach erst innerhalb einer allgemein anerkannten Werteordnung überhaupt einen Wert erhalten kann, da es menschliche Bedürfnisse befriedigt, die über Grundbedürfnisse (Nahrung, Wärme, Sicherheit) weit hinausgehen. Eine allgemein anerkannte Werteordnung ist daher die notwendige Voraussetzung dafür, dass überhaupt erst das Bedürfnis etsteht, manche Dinge zu schützen. Eine Werteordnung wird aber erst dann allgemein anerkannt, wenn sie allgemein als gerecht angesehen wird und das kann erst dann der Fall sein, wenn sie auch den Schwächsten der Gesellschaft eine würdige Existenz ermöglicht, sprich wenn sie die Grundlage für ein soziales Gemeinwesen ist. Ein soziales Gemeinwesen ist daher ebenso ein menschliches Grundrecht, wie es das Eigentum ist und es ist diese Erkenntnis, die bereits die Mütter und Väter des Grundgesetzes bewogen haben, dem in Artikel 14 Absatz 1 verankerten Schutz des Eigentums dessen Sozialpflichtigkeit in Artikel 14 Absatz 2 zur Seite zu stellen.

In Deutschland weder wünschenswert, noch verfassungsgemäß

Die Haltung der Anhänger der „Tea-Party“-Bewegung muss also nicht unbedingt befremdlich sein, sie ist vor dem Hintergrund eines extremen Libertarismus erklärlich. Auf keinen Fall aber ist diese Haltung faszinierend, sondern stellt unsere gemeinsame Werteordnung in Frage und damit die wahre Grundlage unseres friedlichen Zusammenlebens. Schließlich – und das sei denjenigen entgegengehalten, die damit liebäugeln, eine vergleichbare politische Haltung auch in Deutschland zu etablieren – verstößt sie gegen unser Grundgesetz. Man kann dem amerikanischen supreme court nur eine ähnliche Weisheit wünschen, wenn es zur Entscheidung über Obamas Gesundheitspolitik kommt.

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Das Problem der Arbeitslosigkeit Teil XXII (Erstes Fazit und Grundlagen der weiteren Diskussion)

Geschrieben von Thomas Reis - 22/08/2010

Die fünf von mir genannten Merkmale des Systems der Erwerbsarbeit, ergänzt um die angemessene Berücksichtigung des Zusammenwachsens unserer Welt, sollen die Wesensmerkmale einer sozial gerechten, am Gemeinwohl orientierten Wirtschafts- und Sozialordnung sein, unabhängig von ihrer konkreten Erscheinungsform. Es ist der Versuch, die wichtigsten Eigenschaften des Systems der Erwerbsarbeit zu benennen und unter veränderten Bedingungen aufrecht zu erhalten.

Rahmenbedingungen für die weiteren Überlegungen

Um die Diskussion zu fokussieren, will ich als einzige Veränderung der Bedingungen unterstellen, dass meine in Teil VII formulierte These zutrifft und die Erwerbsarbeit, so wie wir sie kennen, es nicht mehr allen Menschen ermöglicht, ihren Lebensunterhalt eigenverantwortlich zu bestreiten. Ansonsten möchte ich an dieser Stelle keine wesentlichen Änderungen der geltenden Rahmenbedingungen unterstellen. Als unveränderliche Rahmenbedingung betrachte ich zudem unsere staatlichen Strukturprinzipien: Unsere parlamentarische Demokratie mit einem Rechtsstaat, in dem allen Menschen die gleichen Rechte ebenso garantiert werden, wie eine sozialstaatliche Ordnung. Dies ist so zusammen mit der Entscheidung für einen republikanischen und föderalen Staat im Grundgesetz (Artikel 20 und Artikel 79 Absatz 3) festgeschrieben. Das bedeutet aber auch, das Grundgesetz als ein lebendiges Verfassungswerk zu begreifen und das derzeit herrschende Verständnis, wie die Normen des Grundgesetzes zu interpretieren sind, als Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung der Diskussion hierüber anzunehmen. Es sei mir gestattet, dabei zu unterstellen, dass sich sozialdemokratische Positionen letztlich durchsetzen. Ich möchte also zum Beispiel, ausgehend von dem derzeitigen Stand der Umsetzung der in Artikel 3 Absatz 2 Grundgesetz festgeschriebenen Gleichstellung von Frauen und Männern sowie allgemein der Beseitigung von Diskriminierung und Benachteiligung bestimmter Gruppen der Bevölkerung, aus welchem Grund sie auch immer erfolgt, die fortschreitende Beseitigung willkürlicher Vorherrschaft meinen weiteren Überlegungen zugrundelegen.

Das Ziel der Überlegungen und der Weg dorthin

Als Ziel aller Überlegungen soll es den Menschen auch unter den veränderten Bedingungen ermöglicht werden, ihr Leben eigenverantwortlich zu gestalten und daraus das Selbstbewusstsein zu entwickeln, ein mündiger Bürger zu sein. Ich halte es für einen wesentlichen Kern sozialdemokratischer Politik, es nach Möglichkeit allen Menschen zu ermöglichen, ein solches Selbstbewusstsein zu entwickeln. Die öffentliche Diskussion, wie dieses Ziel erreicht werden kann, hat als ernsthaften Ansatz bis zum heutigen Tag fast ausschließlich die Schaffung von Vollbeschäftigung durch möglichst kräftiges wirtschaftliches Wachstum innerhalb des tradierten Systems der Erwerbsarbeit thematisiert. Unter Berücksichtigung der in Teil XV beschriebenen emotional religiösen Bindung der Menschen an das tradierte System der Erwerbsarbeit muss das wie gesagt nicht verwundern, jedoch sollte die Politik nunmehr so langsam beginnen, die These, die ich nicht erfunden, sondern lediglich in Teil VII formuliert habe, ernsthaft in die Diskussion einzubeziehen. Schließlich ist es in den letzten dreißig Jahren keiner der gängigen politischen Richtungen gelungen, den eigenen Anspruch einzulösen und Vollbeschäftigung tatsächlich zu erreichen.

Die große Gefahr durch die Verkürzung der Debatte

Im Gegenteil sehe ich die Gefahr, dass immer mehr Menschen dauerhaft auf staatliche Transferzahlungen angewiesen sein werden, um das Nötigste zum Leben erwerben zu können. Das Selbstbewusstsein, ein mündiger Bürger zu sein, kann sich bei immer mehr Menschen nicht entwickeln oder es verkümmert. Wenn ich den politischen Ansatz der F.D.P. wohlwollend betrachte, ist dies der wahre Kern, der ihrer derzeitigen sozialpolitischen Position innewohnt. Allerdings verkehrt sich dieser eigentlich richtige Ansatz in sein glattes Gegenteil, wenn man die Augen davor verschließt, dass Erwerbsarbeit nicht mehr in ausreichendem Maß zur Verfügung steht, um für alle Menschen als Mittel dienen zu können, die Eigenverantwortung auch wahrzunehmen, die jeder mündige Bürger hat. In einem sozialstaatlich verfassten Gemeinwesen ist es nämlich die Aufgabe des Staates, die Existenz des Einzelnen und eine gewisse Teilhabe an der Gesellschaft im Zweifel sicherzustellen, nichts anderes besagt das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu den Regelsätzen des Arbeitslosengeldes  II. Ungeachtet der Obliegenheit jedes Einzelnen, dies für sich in eigenverantwortlicher Weise zu bewerkstelligen, ist der Staat hier in einer Garantenstellung.

Appell für eine umfassende Diskussion

Es ist der große Schwachpunkt der Agenda 2010, diesen Zusammenhang zwischen der Forderung nach Eigenverantwortung jedes Einzelnen und der Möglichkeit jedes Einzelnen, sie wahrzunehmen, nicht klar genug erkannt und berücksichtigt zu haben. Den Zusammenhang bewusst zu leugnen, wie es die pauschalierenden öffentlichen Äußerungen führender Köpfe der F.D.P. aus der jüngeren Vergangenheit nahelegen, spricht dagegen von kalter und zynischer Arroganz. Indem durch solche Äußerungen der Eindruck erweckt wird, es sei im Prinzip überhaupt kein Problem, bezahlte Arbeit zu finden und Menschen, die arbeitslos sind, müssten einfach nur durch noch schärfere Sanktionen dazu veranlasst werden, das überreichlich vorhandene Angebot zu nutzen, wird ein erheblicher Teil unserer Bevölkerung in unerträglicher Weise stigmatisiert und ausgegrenzt. Natürlich kann es nicht die Lösung des Problems der Arbeitslosigkeit sein, die davon Betroffenen auf unabsehbare Zeit von staatlichen Sozialleistungen abhängig zu machen. Das wird auch kein vernünftiger Mensch ernsthaft fordern. Es widerspricht aber sowohl der Vernunft, als auch der Menschlichkeit, die Menschen, die im System der Erwerbsarbeit keinen Platz mehr finden, aufzugeben und einfach ihrem Schicksal zu überlassen. Das darf niemals geschehen! Wenn es innerhalb des Systems der Erwerbsarbeit in seiner real existierenden Ausprägung nicht mehr gelingt, das in Teil II beschriebene und in Teil XVI weiter ausgeführte, der Erwerbsarbeit innewohnende Spannungsverhältnis auf eine Weise aufzulösen, die es allen Menschen ermöglicht, für sich und ihre Angehörigen einen angemessenen Lebensstandard zu erarbeiten (und genau das ist ja meine in Teil VII formulierte These), dann muss dieses System verändert oder durch ein anderes, ein geeignetes und allgemein gestütztes System ersetzt werden.

Eine Prognose und ein erster Lösungsvorschlag

Das Dilemma, das aus der in Teil XI beschriebenen Situation vor Einführung der Agenda 2010 folgte, bleibt nämlich auch weiterhin bestehen: Die Sozialsysteme und die allgemeinen öffentlichen Haushalte haben unter den Bedingungen des Systems der Erwerbsarbeit in seiner real existierenden Ausprägung die Grenzen ihrer Belastbarkeit erreicht und nach meiner in Teil VII formulierten These wird früher oder später eine vergleichbare Situation erneut eintreten. Es ist also höchste Zeit zu beginnen, die richtigen Fragen zu stellen. Mein Beitrag zu der notwendigen gesellschaftlichen Diskussion soll zunächst darin bestehen, die seit Teil XVII bis hierher formulierten Eigenschaften eines sozial gerechten, am Gemeinwohl orientierten Wirtschafts- und Sozialsystems als Prüfungsmaßstab für die Beurteilung von politischen Ansätzen zur künftigen Gestaltung dieses wichtigen Lebensbereichs vorzuschlagen.

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Das Problem der Arbeitslosigkeit Teil XXI (Zusätzlich zu berücksichtigen: Das Zusammenwachsen unserer Welt)

Geschrieben von Thomas Reis - 12/06/2010

Aus dem fünften Merkmal des Systems der Erwerbsarbeit in seiner idealen Ausprägung, der Befriedigung unserer Bedürfnisse auf eine nachhaltige Art und Weise, folgt noch ein weiteres notwendiges Merkmal eines sozial gerechten, am Gemeinwohl orientierten Wirtschafts- und Sozialsystems dem ich eine eigenständige Bedeutung beimesse.

Weiteres Merkmal eines guten Wirtschafts- und Gesellschaftssystems: Berücksichtigung des Zusammenwachsens unserer Welt

Ein solches System muss auch unter den Bedingungen einer fortschreitenden Globalisierung unserer Welt sinnvoll funktionieren. Dieses Merkmal ist bislang weder in der Realität, noch im theoretischen Diskurs einer breiteren Öffentlichkeit ernsthaft berücksichtigt worden, weil es bis vor wenigen Jahren kaum überhaupt als problematisch erkannt worden ist. Deswegen möchte ich es auch nicht als ein Merkmal des Systems der Erwerbsarbeit in seiner idealen Ausprägung beschreiben, sondern als Merkmal eines alternativen Systems (das ja durchaus auch ein weiterentwickeltes System der Erwerbsarbeit sein könnte, siehe Teile XV und XVI).

Die Auswirkungen unseres Handelns lassen sich räumlich nicht mehr begrenzen

In Teil XX ist der Gedanke bereits angeklungen, dass eine nachhaltige Art zu wirtschaften es beinhaltet, die grenzüberschreitende Bedeutung des Umweltschutzes angemessen zu berücksichtigen. Der Gedanke der Globalisierung geht darüber allerdings noch weit hinaus. Unsere Welt ist mittlerweile durch international vernetzte Produktionsabläufe, verbesserte Möglichkeiten der Komunikation sowie erweiterte Möglichkeiten der Mobilität derart miteinander verbunden, dass sich sämtliche denkbaren Auswirkungen unseres Handelns nicht mehr auf unsere nähere oder fernere Umgebung begrenzen lassen. Umgekehrt bekommen auch wir mehr und mehr die Auswirkungen der Handlungen von Menschen aus Gegenden überall auf der Welt zu spüren. Wirklich begonnen wahrzunehmen haben wir Bürger der industrialisierten Gesellschaften das wohl erst, als in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts immer mehr Menschen aus Not leidenden Regionen der Welt keinen anderen Ausweg mehr wussten, als ihre angestammte Umgebung zu verlassen und in den besser gestellten Regionen zu versuchen, von dem dort ganz selbstverständlich zur Schau gestellten Reichtum auch etwas zu erlangen. Weiter ist diese Vernetzung in unser Bewusstsein gerückt, seit Waren, die wir täglich gebrauchen, zunehmend auch in anderen Teilen der Welt für niedrigere Löhne sowie unter ungünstigeren Arbeitsbedingungen produziert werden und dies zu Lasten hiesiger Arbeitnehmer geht. Vollends ist das Zusammenwachsen der Welt in unser alltägliches Bewusstsein gerückt, als uns klar geworden ist, dass die Zahlungsunfähigkeit vieler Häuslebauer in den USA letzten Endes die Arbeitsplätze bei Opel in Europa bedrohen kann oder dass die Erfolge einiger über den ganzen Globus verstreuter Wertpapierhändler dadurch erkauft sind, die Menschen in Griechenland an den Rand eines Bürgerkriegs zu treiben.

Wir Bürger der Industriestaaten sind keineswegs die Opfer der Globalisierung, für die wir uns immer halten

Meine Beispiele sollen verdeutlichen, dass Globalisierung immer von den Menschen besonders eindrücklich wahrgenommen wird, die sich von ihr bedroht fühlen. Dagegen nehmen es die allermeisten Menschen nicht wahr (oder verdrängen es), wenn ihre eigenen Verhaltensweisen bedrohliche Folgen für andere haben.Wer beschäftigt sich schon gerne mit mit der Frage, woher der eigene materielle Wohlstand kommt? Wir industrialisierte Gesellschaften importieren Rohstoffe aus allen Teilen der Welt, zum großen Teil aus den ärmeren Regionen, zu sehr niedrigen Preisen und exportieren am Ende einer langen Wertschöpfungskette einen großen Teil der daraus produzierten Waren zu hohen Preisen. Hinterfragen wir, welche Auswirkungen das für die Menschen in den Rohstoffe exportierenden Teilen der Welt hat? Kommt etwas von dem Geld, das wir für Rohstoffe zahlen, allen Menschen zugute oder führt der Streit um dessen Verteilung zu bewaffneten Konflikten? Erfolgt der Abbau der Rohstoffe, ohne das Lebensumfeld der dort lebenden Menschen zu zerstören? Wenn wir ehrlich sind, wollen wir das alles gar nicht so genau wissen! Gleichwohl halten wir es für selbstverständlich, dass ein nicht unerheblicher Teil der in dieser Wertschöpfungskette erzielten Gewinne unser Wirtschafts- und Sozialsystem stützt, von dem wir trotz seines immer vorhandenen Verbesserungspotentials alle profitieren. Diese Entwicklung zeigt sich nicht erst seit gestern, sondern hat seine Ursprünge letztlich seit die ersten Entdecker in die neue Welt aufgebrochen und mit Schiffen voller Gold zurückgekehrt sind. Wir haben es nur niemals Globalisierung genannt.

Ein neues Verständnis für die Zusammenhänge unserer Welt ist notwendig

Ich bin davon überzeugt, dass wir lernen müssen, unsere einseitige Sicht auf die Globalisierung zu überwinden. Die Menschen in den unterprivilegierten Teilen der Welt werden ihre schlechten Lebenschancen nicht mehr allzu lange akzeptieren, sondern mit Macht darauf drängen, von der wirtschaftlichen Entwicklung stärker selbst zu profitieren. Man muss keine Horrorszenarien von neuen Völkerwanderungen oder kriegerischen Auseinandersetzungen bemühen, um zu erkennen, dass solche Forderungen mehr als berechtigt sind: Wer wollte es den Menschen in rohstoffreichen Regionen der Erde übel nehmen, wenn sie verlangen, mit diesen Rohstoffen selbst eine Wertschöpfungskette in Gang zu setzen und sich damit einen eigenen Wohlstand zu erwirtschaften, der nicht in weit entfernte Gebiete abfließt, aus denen sie selbst ausgeschlossen sind? Wir müssen lernen, unsere Eigenschaft als Bedrohung für andere wahrzunehmen, wenn wir über ein gerechtes Wirtschafts- und Sozialsystem nachdenken, das wir auch dauerhaft aufrecht erhalten können. Als zusätzliches Merkmal eines sozial gerechten, am Gemeinwohl orientierten Wirtschafts- und Sozialsystems halte ich eine angemessene Berücksichtigung der Tatsache des Zusammenwachsens unserer Welt für unverzichtbar.

Eine zusammenwachsende Welt bietet auch Chancen

Ich bin außerdem überzeugt, dass sich Globalisierung auch zum Vorteil aller auswirken kann, wenn man dem Zusammenwachsen unserer Welt offensiv gestaltend statt defensiv abwehrend begegnet. Weltweit agierende Unternehmen haben das schon längst begriffen und suchen für sich die günstigsten Produktionsbedingungen überall auf unserem Planeten. Die Bedrohungen für unsere Gesellschaften, die ich weiter oben beschrieben habe, entstehen vor allem daraus, dass wir einzelnen Menschen noch viel zu sehr in den nationalstaatlichen Strukturen denken, die sich in den vergangenen Jahrhunderten etabliert haben, die sich aber als immer weniger geeignet erweisen, die heutigen und vor allem die zukünftigen Probleme der Menschheit zu lösen. Gerade die sich immer weiter verbessernden Möglichkeiten der Kommunikation zeigen aber, dass die Menschen weltweit trotz aller zwischen ihnen bestehenden Unterschiede im Kern sehr ähnliche Wünsche und Bedürfnisse haben. Wir einzelnen Menschen müssen uns daher verbünden, um den Mächtigen ein ernst zu nehmendes Gegengewicht sein und die Berücksichtigung unserer Bedürfnisse erfolgreich einfordern zu können. Wir Sozialdemokraten sollten in diesem Sinne unserer altehrwürdigen Hymne der Internationalen eine moderne Bedeutung verleihen.

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Das Problem der Arbeitslosigkeit Teil VIII (Gegenthese: demographische Entwicklung)

Geschrieben von Thomas Reis - 19/07/2009

Bevor ich in der Diskussion weiter fortfahre, muss sich die von mir in Teil VII formulierte These zunächst gegen mögliche Einwände behaupten. Sie lässt sich nur so lange weiter aufrechterhalten, wie keiner dieser Einwände durchgreift. Einen der naheliegendsden Einwände möchte ich hier prüfen und zumindest einen weiteren in dem nächsten Blogpost. Alle, die weitere Einwände haben, möchte ich bitten, diese in einem Kommentar zu benennen.

Demographischer Wandel als Lösung?

Das jetzige Missverhältnis zwischen der Zahl der Arbeitssuchenden und der Zahl der verfügbaren Arbeitsplätze ist lediglich ein kurzfristiges Problem. Der demographische Wandel wird im Gegenteil den Mangel an Arbeitsplätzen schon bald zu einem Mangel an Arbeitskräften machen. Der Gedanke hinter diesem Einwand ist, dass in den kommenden Jahren immer mehr Menschen jenseits der Altersgrenze für den Eintritt in den Ruhestand und immer weniger in dem Alter sein werden, in dem sie am Arbeitsmarkt aktiv sind. Aufgrund dieser Entwicklung werden daher über einen längeren Zeitraum hinweg beständig mehr Menschen aus der Erwerbsarbeit ausscheiden, als neu hinzukommen. Es liegt also nahe, anzunehmen, dass immer mehr Ältere den Jüngeren „Platz machen“. Ich glaube aber, so einfach ist das nicht.

Aber: Weitere Verdrängung menschlicher Arbeit

Erstens muss man für diesen Einwand davon ausgehen, dass die Nachfrage nach menschlicher Arbeitskraft vor allem im Sekundärsektor und in den klassischen Bereichen des Tertiärsektors in dem gleichen Zeitraum bezogen auf den heutigen Stand nicht in wesentlichem Umfang weiter zurückgeht. Genau das wird nach meiner These aber der Fall sein, wenn die technologische Entwicklung nicht zum Stillstand kommt. Die demographische Entwicklung kann daher in strengem Sinne kein Einwand gegen meine These sein, da dieser Einwand einem zentralen Punkt voraussetzt, was er gerade zu beweisen versucht: Dass meine These in nicht zutrifft.

Zumindest Verlangsamung der Entwicklung?

Immerhin ist es nicht auszuschließen, dass die Folgen der demographischen Entwicklung die Verdrängung menschlicher Arbeitskraft aus der Produktion von Waren und Dienstleistungen zeitweilig abbremsen. Allerdings halte ich diesen Effekt für deutlich eingeschränkt, da ältere Maschinen und Werkzeuge erst nach und nach ersetzt werden und sich aus meiner Sicht die Auswirkungen des Einsatzes modernerer Maschinen und Werkzeuge aufgrund von Absprachen der Tarifvertragsparteien über sog. Jobgarantien heute noch nicht voll entfalten. Es ist zu erwarten, dass frei werdende Arbeitsplätze in vielen Fällen nicht neu besetzt werden.

Aber: Weitere Folgen der demographischen Entwicklung

Zweitens wird die demographische Entwicklung weitere Folgen haben, die direkten Einfluss auf das Potential der Erwerbsarbeit nehmen, den Lebensunterhalt des Einzelnen sicherzustellen. Das Verhältnis der Zahl der Menschen, die im aktiven Erwerbsleben stehen, zu der Zahl der Menschen, die noch nicht oder nicht mehr im aktiven Erwerbsleben stehen, wird sich ungünstig entwickeln. Die Finanzierung der zentralen sozialen Sicherungssysteme, der gesetzlichen Krankenversicherung und der gesetzlichen Rentenversicherung wird sich dadurch tendenziell auf weniger Schultern verteilen, da diese Finanzierung bislang im Wesentlichen auf der Grundlage von Erwerbsarbeit erfolgt. Das heißt, es wird aller Voraussicht nach ein größerer Anteil an zukünftigen Einkünften aus Erwerbsarbeit für diese Finanzierung aufzuwenden sein. Ein möglicher positiver Effekt des demographischen Wandels auf das Verhältnis der Zahl der Arbeitssuchenden zu der Zahl der verfügbaren Arbeitsplätze wird auf diese Weise aufgehoben, da vor allem geringer entlohnte Arbeitsplätze zur Sicherstellung des Lebensunterhalts nicht mehr ausreichen werden.

Aber: Wo entsteht mehr Bedarf an menschlicher Arbeit?

Drittens wird in einer alternden Gesellschaft wahrscheinlich ein wesentlicher Teil der Nachfrage nach menschlicher Arbeitskraft in Bereichen des Tertiärsektors auftreten, die sich der Sorge und Pflege älterer und kranker Menschen sowie der Betreuung und Erziehung von Kindern widmen. Diese Bereiche sind bereits heute unterfinanziert und ein positiver Effekt des demographischen Wandels auf das Potential der Erwerbsarbeit zur Sicherstellung des Lebensunterhalts des einzelnen dürfte stark davon abhängen, dieses Finanzierungsproblem zu lösen.

Wahrscheinlich allenfalls geringer Einfluss des demographischen Wandels

Zugegebenermaßen lässt es sich schwer in einem wissenschaftlichen Sinn beweisen, ob meine These zutrifft oder ob der vorgenannte Einwand durchgreift. Ich meine aber, es spricht auf jeden Fall mehr für meine These und gegen diesen Einwand. Wie die tatsächliche Entwicklung sein wird, muss sich zeigen. Ich bin allerdings überzeugt, die von mir skizzierte Entwicklung sollte ernsthaft diskutiert werden, zunächst in der Auseinandersetzung mit einem weiteren Einwand.

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Die zwei Seiten gesellschaftlicher Vernunft

Geschrieben von Thomas Reis - 22/03/2009

Die Gedanken von John Rawls enthalten für Sozialdemokraten meiner Meinung nach sehr wertvolle Ansätze.

Zusammenfassung der Gerechtigkeitsgrundsätze

Mark hat dankenswerter Weise mit den Gerechtigkeitsgrundsätzen bereits auf einen der wichtigsten Ansätze hingewiesen. Das dort enthaltene Unterschiedsprinzip (eine ungleiche Verteilung von Gütern ist immer nur dann zulässig, wenn gerade diese Verteilung genau denen einen Vorteil bringt, die am schlechtesten dastehen) drückt aus meiner Sicht hervorragend die Ausrichtung an der sozialen Gerechtigkeit aus. Die Richtung der Bemühungen, nämlich die Gesellschaft in ihrer Grundstruktur so zu verändern, dass sie diesen Grundsätzen entspricht, ist ein weiterer bedeutender Ansatz für Sozialdemokraten.

Um die Gerechtigkeitsgrundsätze richtig anwenden zu können, muss man allerdings immer beachten, dass diese in einer sogenannten lexikalischen Ordnung stehen. Die Forderung, jedem die weitestgehenden Rechte zu gewähren, die mit den gleichen Rechten für alle anderen vereinbar sind (erster Teil der Grundsätze), geht der Forderung nach gleichen Chancen beim Zugang zu öffentlichen Ämtern und der Begrenzung der zulässigen Ungleichheiten zum Wohl der am wenigsten Begünstigten (zweiter Teil der Grundsätze) immer vor.

Die Notwendigkeit gesellschaftlicher Zusammenarbeit

So wird allen Reformbemühungen eine Grenze gesetzt, da auch die bereits Privilegierten einer Gesellschaft ihrer gleichen Rechte nicht enthoben werden dürfen. So wird für mich Rawls’ Orientierung an der Vernunft deutlich. Bei allem Bedürfnis, bestehende Ungerechtigkeiten zu beseitigen, darf man nicht aus dem Blick verlieren, dass in einer Gesellschaft letztlich alle aufeinander angewiesen sind. Über eine gerechte Verteilung der Früchte gesellschaftlicher Zusammenarbeit kann man eben nur diskutieren, wenn diese Zusammenarbeit auch funktioniert.

Genau diese Erkenntnis ist aber auch umgekehrt notwendig und richtig. Die Privilegierten einer Gesellschaft sind auf die Zusammenarbeit mit allen anderen angewiesen, da ansonsten auch ihre gute Position zum jetzigen Zeitpunkt sie nicht davor bewahren könnte, früher oder später alles wieder zu verlieren. Die Gerechtigkeit gesellschaftlicher Verhältnisse zuzulassen ist daher für die Privilegierten ebenso ein Gebot der Vernunft, wie es umgekehrt der Verzicht ist, den Privilegierten alles zu nehmen. Beides ist jeweils eine Seite der Medaille.

Gerechtigkeit bleibt unerlässlich

Betrachtet man die Entwicklung nach dem Ende des kalten Kriegs, behaupte ich, dass diese Vernunft zu sehr aus dem Blick geraten ist. Im Wettbewerb zweier Gesellschaftssysteme ist am Ende dasjenige übrig geblieben (es ist falsch, hier von Sieg zu sprechen), das am ehesten beide Seiten der Vernunft miteinander vereinbaren konnte. Der Fehler war danach offenbar, anzunehmen, dass die Gerechtigkeit einer Gesellschaft ohne diesen Wettbewerb weniger wichtig geworden sei und in dem neu einsetzenden globalen Wettbewerb um immer niedrigere Produktionskosten zur Disposition gestellt werden könne. Die Gefahr, die ich dabei sehe, liegt darin, dass die Bereitschaft zur gesellschaftlichen Zusammenarbeit schwindet und am Ende ein Kampf jeder gegen jeden beginnt.

Die Notwendigkeit gesellschaftlicher Gerechtigkeit auch in schlechten Zeiten zu betonen ohne dabei die andere Seite der Vernunft aus den Augen zu verlieren, halte ich für die Aufgabe der Sozialdemokratie. Dem gerecht zu werden, dürfte noch einige Diskussionen erforderlich machen.

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Das Wohl der am wenigsten Begünstigten

Geschrieben von Thomas Reis - 14/02/2009

Das Wohl aller fördern, indem jeder seine wohlverstandenen Interessen verfolgt (vgl. Eine gerechte Grundstruktur der Gesellschft)? Das bedarf einer Konkretisierung.

Was Rawls in meinen Augen auch für Sozialdemokraten interessant macht, ist seine Forderung, dass wirklich alle von den gesellschaftlichen Anstrengungen profitieren. Niemandem soll entgegengehalten werden können, dass er seine schlechte Position hinzunehmen habe, da dies insgesamt ein größeres Wohl hervorbringe. Im Gegenteil fordert er, dass gesellschaftliche Entwicklung sehr stark die Position gerade der am wenigsten Begünstigten verbessert.

Ich finde, das ist genau der Punkt: Letztlich behaupten doch alle relevanten politischen Parteien, mit ihrem Konzept könne man am wirkungsvollsten das Wohl der Menschen fördern. Die Merkmale, anhand derer der Erfolg aller Bemühungen gemessen wird, lassen das Wohl der Menschen aber allzu oft außer Betracht. Da geht es um abstrakte Daten, wie Wirtschaftswachstum oder Arbeitslosenzahlen. Das sind auch wichtige Indikatoren. Wir sollten aber immer im Blick behalten, ob gerade diejenigen, denen es am schlechtesten geht, die begründete Hoffnung haben können, dass es ihnen in Zukunft besser geht.

Das sollte der Indikator für Sozialdemokraten sein.

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Eine gerechte Grundstruktur der Gesellschaft

Geschrieben von Thomas Reis - 07/02/2009

Die Schwierigkeiten, eine bestimmte Personengruppe als Anknüpfungspunkt für die Bemühungen um soziale Gerechtigkeit zu finden (siehe Blogpost Soziale Gerechtigkeit), macht es aus meiner Sicht nötig, einen umfassenderen Ansatz zu wählen. Nicht eine bestimmte Klientel sollte im Mittelpunkt stehen, sondern die Gesellschaft als Ganzes. Der Philosoph John Rawls hat beispielsweise die Grundstruktur der Gesellschaft als Ansatzpunkt gewählt, um seine Vorstellung von sozialer Gerechtigkeit darzulegen:

“[...] die Art, wie die wichtigsten gesellschaftlichen Institutionen Grundrechte und -pflichten und die Früchte der gesellschaftlichen Zusammenarbeit verteilen. Unter den wichtigsten Institutionen verstehe ich die Verfassung und die wichtigsten wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse. (vgl. John Rawls, Eine Theorie der Gerechtigkeit, Kapitel 1, Abschnitt 2).”

Wohlverstandene Interessen des Einzelnen und das Wohl aller

Diese Grundstruktur soll nach Möglichkeit so beschaffen sein, dass die Menschen, die dieser Gesellschaft angehören, alleine dadurch, dass sie ihre wohlverstandenen Interessen verfolgen, das Wohl aller fördern. Das sagt immer noch nicht viel darüber aus, welche politische Richtung konkret verfolgt werden sollte und durch welche Maßnahmen das erreicht werden kann. Zumindest ist aber der Ansatzpunkt ein wenig klarer und widersprüchliche Ergebnisse einer reinen Klientelpolitik wird nach Möglichkeit vermieden.

Liberalismus?

Rawls wird zwar immer als ein Vertreter des Liberalismus angesehen, aber ich finde, eine solche Einordnung spiegelt eher ein amerikanisches als ein deutsches Verständnis von Liberalismus wieder. Meiner Meinung nach hat Rawls auch Sozialdemokraten einiges zu sagen. Auf keinen Fall sollte man Rawls dem organisierten Liberalismus in Deutschland überlassen. Denjenigen, die unter Liberalismus lediglich verstehen, die Wohlhabenden sollten möglichst nicht von den Bedürfnissen ärmerer Gesellschaftsschichten am ungestörten Genuss ihres Reichtums gehindert werden, sollte man jedenfalls die Lektüre von Rawls dringend empfehlen.

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